Dienstag, 25. April 2017

Männergarderobe gezeichnet - eine Inspirationsquelle!


Ich liebe es, im Internet nach klassischen Inspirationen für die Männergarderobe zu suchen... und wie nahezu jeder Blogger bin ich dabei irgendwann einmal auf zwei völlig unterschiedliche, jedoch jeweils äußerst charakteristische Figurinenzeichner gestoßen.

Beide schätze ich sehr - es sind Kazuo Hozumi und Laurence Fellows.

Hozumi wurde bekannt für seine japanische Interpretation des Ivy League-Stils, die er in Form des "Ivy Boys" für die japanische Kult-Marke "Van Jacket" entworfen hatte. Fellows hingegen war der amerikanische Figurinenzeichner für Männermode in den 1930er- und 1940er-Jahren schlechthin, er arbeitete damals vorwiegend für das Apparel Arts Magazine.

So unterschiedlich die beiden Zeichner in ihrem Stil auch sein mögen, es macht Freude, die Illustrationen anzusehen und sich dabei Ideen für neue Kombinationen zu holen - hier Kazuo Hozumi:




Credits: Kazuo Hozumi

Und hier Laurence Fellows:



Credits: Laurence Fellows

Sieht man genauer hin, bekommt man eine Menge Ideen für neue Outfits - oftmals auch ohne etwas Neues zu kaufen!



Sonntag, 23. April 2017

Mods, Les Minets, Paninari, Pijos oder Snobs: Der Einfluss des "Ivy League"- und "Preppy"-Stils auf die Modewelt in Europa...


Mein heutiger Beitrag beschäftigt sich mit dem doch deutlichen Einfluss des amerikanischen Ostküstenstils - sehr oft auch "WASP-Style" (der Begriff ist allerdings sehr irreführend und mit einer äußerst elitären Einstellung verbunden, die bei weitem nicht alle Mitglieder dieser gesellschaftlichen Kaste teilen) oder "Preppy"-Stil genannt - auf Europa.

Über den Vorläufer des "Preppy-Stils", den klassischen  Ivy League Stil und dessen Entwicklung allgemein habe ich ja bereits ausführlich berichtet...

Zur Erinnerung: die in den späten 1950er-Jahren aufkeimende Mod-Szene in London und einigen anderen englischen Großstädten wurde eben durch Hollywood auf der einen Seite und die in ganz Europa stationierten GIs auf der anderen Seite maßgeblich beeinflusst - kein Wunder, war Amerika doch der Inbegriff der Moderne und Zukunft.

Daher war bei diesen frühen Mods nicht nur Jazz, sondern auch der klassische, in den USA zu diesem Zeitpunkt massiv beworbene Ivy League Stil sehr beliebt, der zunächst in den Staaten eine regelrechte Modehysterie ausgelöst hatte.

Jedoch verfehlte dieselbe Wirkung auch andere europäische Länder wie Frankreich, Italien oder Spanien nicht, geschweige denn Österreich - und so wurde der ursprünglich nur an der Ostküste der USA verbreitete "Natural Shoulder/Preppy/Ivy League"-Stil überall dort mehr oder weniger schleichend in den landestypischen Stil integriert. Es ist ein sehr klassischer, aber auch sportlicher Stil, der nie an Aktualität verliert.

Besonders gut kann man den Einfluss in Norditalien sehen. Dort gibt es kaum ein Geschäft, das nicht Pennyloafer, Desert Boots, Button Down-Hemden oder Chinos führt. Ein wunderbares Beispiel ist hier De Paz in Bologna - wer einen Städtetrip nach Bologna plant, sollte unbedingt bei De Paz hineinschauen!


Quelle: www.theweejun.com


Abgesehen davon hat sich in Mailand in den 1980er-Jahren eine eigene, auf dem amerikanischen Preppy-Stil der 1970er-Jahre basierende Jugend-Subkultur entwickelt, die ihrerseits für viel Furore und Einfluss auf die restliche europäische Modeszene gesort hat: die Paninari!

Man mixte italienische Marken wie Moncler, Trussardi oder Cerruti mit Boots und Bootsschuhen von Timberland, Levi's Jeans, Baseball-Kappen, Polo-Shirts und Fliegerjacken:


Quelle: Pinterest / Newfangle Clothing

Mit klassischem "Ivy League-Style" hat das natürlich nicht mehr viel zu tun, und ich selbst bin kein allzu großer Fan des Paninari-Looks - dennoch hat diese Mode in den 1980er- und 1990er-Jahren sehr um sich gegriffen, und war nicht nur ansatzweise auch hier in Österreich zu sehen - statt der Moncler-Jacken waren es hier "Chevignon"-Jacken, aber der Rest des Looks war allgegenwärtig. In Italien ist der Look immer noch aktuell, letzte Woche habe ich hier in Wien einen italienischen Touristen in Timberland-Moccasins mit Vibramsohle, Levi's 501-Jeans und Moncler-Jacke gesehen...


Auch in Frankreich gab es in den frühen 1960er-Jahren eine Jugendbewegung, die der der Mods in England sehr ähnlich war - es ist auch gut möglich, dass es da auch eine gegenseitige Beeinflussung gegeben hat... wobei ich persönlich denke, dass es einfach dem allgemeinen jugendlichen Zeitgeist entsprochen hat, modern, urban und "cool" zu sein - ganz so wie es den Mods eben auch eigen war.

Man sollte auch bedenken, dass die Mods eine Bewegung aus der Arbeiterklasse waren, das scheinbare französische Gegenstück hingegen ist eher aus einem gutsituierten, bürgerlichen Hintergrund heraus entstanden. Bald wurden die Protagonisten, die Anzüge von "Renoma" trugen und gerne feierten, "Le Bande du Drugstore" genannt, nach dem Lieblingslokal der Szene, "Le Drugstore".

Später wurde aus der Bande "Les Minets"... aber seht selbst:


Quelle: http://paris70.free.fr/minets.htm

Quelle:
Minetdrawing


In Spanien ist der "All American Preppy"-Look ebenfalls sehr beliebt. Es gibt kaum einen ernstzunehmenden Schuhersteller, der nicht Pennyloafers, Tassel Loafers, Desert Boots oder Longwing Brogues anbietet, wie hier z.B. Carmina:



Quelle: Carmina


In Spanien werden die Anhänger des Ivy/Preppy-Stils gemeinhin "Pijos" genannt. Auch hier mischt sich der uns doch so bekannte Look mit der Leichtigkeit des Südens, die Farben sind bunter, der Look alles in allem jugendlicher und frischer - aber auch weniger klassisch:




Hier in Wien gibt es natürlich auch einen spürbaren Einfluss, der seinen Ursprung im Stil des "Old Money" der US-amerikanischen Ostküste hat. Der Stil ist vorwiegend bei Wienern, die auch eher zum "alten Geld" gehören und deren Wohnbezirk entweder der 1., der 19. oder der 13./ 14. Wiener Gemeindebezirk ist, beliebt. Man trägt hier gern Polo Ralph Lauren, Timberland Premium Boots, Sebago Pennyloafers oder Bootsschuhe und Barbour-Jacken. Die Geschäfte der Wahl sind zum Beispiel Alexander, House of Gentlemen, House of Scotland oder Dantendorfer in der Wiener Innenstadt...

Im Jugendjargon waren das zumindest in meiner eigenen Jugend die "Snobs", ich denke aber, sie sind es noch.

Ich persönlich war ein "Mod", nie ein "Snob", doch hier waren die Grenzen zeitweise fließend... zumindest in der Wahrnehmung der anderen, die mit abgeschabten Lederjacken und Dr. Martens herumgelaufen sind (das tat ich zeitweise natürlich auch!).

Der Wiener Stil ist grundsätzlich ein Schmelztiegel aus britischen, italienischen und amerikanischen Einflüssen, gepaart mit der Robustheit der austro-ungarischen Kunst des Schusterhandwerks:


Hier fehlt nur mehr der
Panama-Hut! Typisch wienerisch:
anglo-amerikanisch inspiriert,
mit ungarischen Tassel-Loafers.

Brooks Brothers Button Down,
Cashmere V-Pullover,
Levi's, Pennyloafers

weiche Schultern, natürliche Linien - hier aus dem Salon
Possanner in Wien. Credits: Gregor Semrad, Quelle:
http://www.possanner.com/de/galerie

Boater-Hut von Nagy, Schuhe von Vass,
Sakko und Fliege von Polo Ralph Lauren


Auch wenn die meisten Ivy League-Puristen all das gerne abstreiten würden, meiner Meinung nach sieht man die - durchaus auch auf Gegenseitigkeit beruhende - Beeinflussung, die seit Jahrzehnten vorkommt, doch recht deutlich... Für mich ein immer wieder spannendes Thema!




Donnerstag, 13. April 2017

Schnäppchenkäufe zwischendurch...


 Nach einer längeren Pause (ja, ich habe einen Brotberuf, der nichts mit Männergarderobe oder Mode an sich zu tun hat 😉) ein Zwischendurch-Post, der sich - wie so oft Posts von mir - mit Schnäppchenkäufen beschäftigt.

Vorwiegend neue, moderne Sachen, aber auch ein Vintage-Anzug, den ich im Volkshilfe-Würfel gefunden habe, und das schon letztes Jahr...

Da wären einmal zwei Chinos von Lands' End im militärischen Stil, die zusammen nur € 18,-- (plus Änderungskosten, die Länge musste gemacht werden) gekostet haben. Dazu ein "Henry's"-Polo aus einer unglaublich hochwertigen, gekämmten Baumwolle ("Filoscozia") um € 20,--...

Dann Falke-Socken um € 9,90 das Paar mit einem großartigen Muster!

Und der Anzug, der hatte €15,-- gekostet - hier hab ich mir Stulpen machen lassen. Der Anzug stammt zwar vermutlich aus den 1980er-Jahren, sieht aber sehr gut aus, wenn man ihn auf 1950er-Jahre trimmt.

Doch nun ein paar Bilder!



Der Anzug passt wirklich gut!
Die Falke-Socken im Einsatz.

April 2017


Der nächste Beitrag ist gerade in Vorbereitung - und er wird ein bisserl ausführlicher sein.

Versprochen!

NACHTRAG:


Falke und Boots im April 2017 -
viel zu kalt!


Freitag, 24. Februar 2017

Und wieder einmal neue Sohlen für Red Wing Boots (Modell Brogue Ranger) - Vibram "2333"-Halbsohlen



Mein zweites Paar Red Wing Boots, das ich in Mümchen vor etwas mehr als drei Jahren gekauft hatte, ist zwar viel geliebt und getragen, aber in hervorragendem Zustand.

Dennoch, die an sich qualitativ hochwertigen Sohlen aus Nitril haben neben einer Reihe an Vorteilen (sehr abriebfest, guter Halt auf Asphalt, hohe Säure- und Ölbeständigkeit) zwei Nachteile:

Zum einen sie sind auf rutschig-gatschigem Schneeboden brandgefährlich (ähnlich wie Ledersohlen), zum anderen sind sie sehr hart, was sich eher negativ auf die Bequemlichkeit auswirkt, wenn man die Schuhe einen ganzen Tag lang trägt.

Aus diesem Grund - und weil die Absätze beziehungsweise die Sohlennaht ohnehin bereits ein wenig abgetragen waren - kam wieder einmal der Schuster des Vertrauens ins Spiel, der neue Gummiabsätze und Halbsohlen empfahl. Nach einigem Überlegen war mir klar, dass ich gerne Profilgummihalbsohlen haben würde, und zwar solche, wie auf diesen frisch reparierten Beckman Boots:


Quelle: Red Wing Berlin


Quelle: Red Wing Berlin


Die Reparatur in dieser Art ist die mit Abstand kostengünstigste und trotzdem vermutlich auch die langlebigste, denn die Halbsohlen können immer wieder ohne großen Aufwand getauscht werden.

Doch nun zu den obligatorischen Bildern - hier vor der Reparatur:








 
Und hier danach:


Die Nitril-Kork-Sohle ist geblieben.

Das Profil ist ein bisschen "kräftiger", aber immer noch
sehr "schlank"...
Die Naht ist ab sofort geschützt - sind die Halbsohlen
abgetragen, werden sie einfach entfernt und neue
mit Spezialkleber aufgeklebt. Dei Schuhbänder
sind natürlich auch neu!


NACHTRAG:



April 2017



Sonntag, 12. Februar 2017

Schneiders Salzburg "Conan" - eine unerwartete Winterjacke im "Aviator-Stil"...


Schneiders Salzburg - bekannt für unfassbare Qualität und vor allem für konservative Lodenmäntel wie den berühmten "Hubertusmantel" - betreibt ein Abverkaufs-Outlet im Rahmen des "McArthur Glen"-Designer Outlets in Salzburg. Dort gibt es eine ganze Menge an Einzelstücken, die großartig reduziert sind - so kann man dort sehr schöne Lodenmäntel ab €120,-- (!!!) erstehen.

Ich persönlich war nicht auf der Suche nach auch nur irgendeinem Kleidungsstück, denn wir waren eigentlich auf der Suche nach einem Winterparka für meine Frau (den wir dann auch gefunden haben, allerdings bei "Barbour")... doch dann fand eben meine Frau eine Jacke. Eine Jacke für mich...

Wahnsinnig reduziert. Doch seht selbst:





Der (abnehmbare) Fellkragen ist aus Lammfell...



Der günlich-graue Tweedstoff
beherbergt ein dezentes, tolles
Fensterkaro.






Die Verarbeitung ist wirklich sehr gut und vor allem das dezente, und doch spannende Farbenspiel macht die Jacke zu einem vielseitig verwendbaren Winterkleidungsstück für nicht allzu kalte Wintertage...





Februar 2017

NACHTRAG:




Februar 2017





Dienstag, 17. Januar 2017

Alpha Industries N-3B 'Explorer' Parka... Der Abschluss eines Winterthemas!


Wie in meinem Parka-Beitrag vor einigen Wochen bereits erwähnt, schien meine Faszination und Begeisterung für diese Art Winterjacke ein Ende zu haben, als ich sehr günstig einen Holubar "Deer Hunter"-Parka erstehen konnte. Doch der hat sich ja leider als Reinfall erwiesen.

Nun bin ich nach wie vor extrem zufrieden mit meinem Jack Wolfskin-Parka, sowohl was sein Aussehen betrifft, als auch funktionell - jedoch, ab Temperaturen unter -5°C oder bei starkem eisigen Wind hält er einfach nicht richtig warm. Es sei denn, ich trage einen dicken Norweger-Pullover drunter, unter dem noch ein Merino-Rollkragen ist und zusätzlich Thermo-Unterwäsche...

Der Holubar-Parka hingegen war zwar nicht extrem warm, aber doch deutlich wärmer als mein geliebter Jack Wolfskin. Also hatte ich ein wenig Blut geleckt, ich wolle doch noch einen coolen, warmen Parka. Auch wenn ich bei kalten Temperaturen nicht erfroren wäre, ich besitze zum Glück auch einen Innenlamm-Mantel ;) (das ist aber nicht dasselbe).

In  meinem früheren Beitrag nur am Rande erwähnt wurde ein US-Militärparka, der doch sehr viele Fans hat und regelrechten Kultstatus genießt: der N-3B "Extreme Cold Weather"-Parka, auch "Snorkel-Parka" genannt. Vor einigen Jahren wollte ich schon einmal einen solchen, und irgendwie ist mir diese Idee vor etwa zwei Wochen wieder gekommen. Es war sehr kalt draußen...

1947 als "N-3 Extreme Cold Weather"-Jacke für Fliegerbesatzungen eingeführt, die in wirklich kalten oder arktischen Regionen operieren, erfuhr der Parka während der 1950er-Jahre zwei Überarbeitungen - zunächst als "N-3A"-Modell und schließlich 1959 als "N-3B"-Modell, das bis heute in mehr oder weniger derselben Ausführung produziert wird (über die Jahrzehnte ging die ursprüngliche Ausstattung mit Echtfellbeatz verloren, seit den 1960er-Jahren wird fast ausschließlich Kunstfell verwendet).




Barksdale Air Base 1960.
Die Kapuze dieses frühen N-3B-Parkas
ist offenbar mit Wolfsfell umrahmt.


Angeblich gibt es mindestens zwei Hersteller, die schon seit damals einen Vertrag mit der US-Armee haben, um (unter anderem) diesen Parka herzustellen. Der eine heißt Spiewak, der andere Alpha Industries.

Alpha Industries ist bei weitem der bekanntere Hersteller, besonders durch seine MA-1-Interpretation berühmt geworden - aber auch wahrscheinlich deshalb, weil die für zivile Zwecke hergestellten Jacken von Alpha wesentlich authentischer aussehen und auch günstiger zu bekommen sind. Wie die Leser meines Blogs ja wissen, besitze ich schon eine Bomberjacke von Alpha, mit der ich sehr zufrieden bin.

Langer Rede, kurzer Sinn - ich habe einen auf dem N-3B-Parka basierenden "Explorer"-Parka von Alpha erstanden und ich bin ziemlich angetan davon:


"Zivile" Alpha-Parkas halten angeblich
von 0°C bis minus 30°C warm,
militärische bis minus 50°C.
Mir war bei minus 14°Cjedenfalls nicht kalt,
obwohl ich nur ein T-Shirt und
einen Rollkragenpullover
anhatte.

Der (abnehmbare) Webpelzbesatz an
der Kapuze ist gelinde gesagt mächtig!

Den Aufnäher am rechten Arm hätte ich
nicht unbedingt gebraucht, er stört mich aber
auch  nicht besonders.



 
Jänner 2017



Ich glaube, die Faszination für diese Winterjacken wird nie wirklich ein Ende  haben - aber im Moment bin ich einfach sehr zufrieden!



NACHTRAG:




Jänner 2017