Samstag, 23. März 2013

Brooks Brothers "Original Polo Shirt" - das ultimative Oxford Cloth Button Down-Hemd

Mein heutiger Beitrag beschäftigt sich mit einem der "kultigsten" Hemden schlechthin: dem "Oxford Cloth Button Down", speziell mit dem "Original" von Brooks Brothers. Brooks Brothers ist der älteste Herrenausstatter der Welt mit Sitz in der Madison Avenue in New York.

Um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert waren Herrenhemden tradionell kragenlos - man brachte einen sehr steifen Kragen extra an. Trug man zum Beispiel zu Hause keine Krawatte, ließ man den Kragen einfach weg. Um beim Sport - zum Beispiel beim Polospiel - allerdings auch Krawatte tragen zu können (man wollte ja "proper" aussehen), begannen offenbar englische Hemdenschneider damit, einen weichen Kragen direkt ans Hemd anzubringen, der oft mit zwei Knöpfen am Hemd zusätzlich befestigt wurde. Der "Button Down"-Kragen war geboren.

Viele Geschichten und Mythen werden - vor allem im Internet - erzählt, wie und warum der weiche Kragen denn festgeknöpft wurde - Tatsache ist jedenfalls, dass der Herrenausstatter "Brooks Brothers" im Jahr 1896 ein Hemd auf den Markt brachte, das als "Button Down Polo Shirt" angepriesen wurde. Angeblich hatte John E. Brooks solche Hemden bei einem Polospiel in England beobachtet und daraufhin beschlossen, selbst ein solches Hemd anzubieten. Es bestand aus dem legendären "Oxford Cloth"-Stoff und hatte einen weichen, bereits am Hemd befestigten "Button Down"-Kragen. Wie der Name schon sagt, war es dazu gedacht, beim Polospiel getragen zu werden - da es aber anscheinend nicht nur für das Polospiel geeignet war, trugen es in den folgenden Jahrzehnten immer öfter auch Tennisspieler oder Golfer. Ein Siegeszug hatte begonnen.



"Button Down Polo Shirt" Quelle: Brooks Brothers



Über die Jahrzehnte wurde das Button Down-Hemd von Brooks Brothers zum wahrscheinlich meistkopierten Modeartikel aller Zeiten...

Das berühmteste Beispiel dafür ist wohl das sehr weit verbreitete Modell von "Polo Ralph Lauren" - Ralph Livshitz, der später als Ralph Lauren eine sehr respektable Karriere als Designer startete, arbeitete in den 1960er-Jahren als Verkaufer bei Brooks Brothers. Unzufrieden mit der neuen Ware und dem Weg, den Brooks Brothers eingeschlagen hatten, entschloss er sich gegen Ende der 60er-Jahre, seine eigene Bekleidungsfirma zu gründen. 1967 konnte er die Rechte am - von Brooks Brothers geschützten - Namen "Polo" erwerben, 1972 begann seine Weltkarriere: er brachte das berühmte Polo-Shirt (ein Tennis-Shirt à la Lacoste aus Baumwoll-Piquè) auf den Markt und versah es mit dem berühmten kleinen Polospieler. Im selben Jahr bekam er außerdem den Auftrag, den Film "Der große Gatsby" mit Robert Redford auszustatten - der Durchbruch war gelungen.

Als er ein Button Down-Hemd aus Oxford-Stoff auf den Markt brachte, war dieses dem von Brooks Brothers sehr ähnlich - bloß, der Kragen war kleiner - ein für Fans solcher Hemden nicht unwesentliches Detail. Denn der Kragen sieht am besten aus, wenn er "rollt", das heißt, er macht einen schönen "Schwung":



Perfekter "Collar Roll"



Nicht unwesentlich zum Erfolg dieser Hemden haben Schauspieler wie Robert Redford, George Peppard oder aber auch andere Berühmtheiten, wie zum Beispiel Gianni Agnelli beigetragen - über den Fiat-Tycoon wird gesagt, dass er regelmäßig Books Brothers-Button Down-Hemden bestellt und fast ausnahmslos diese getragen hat. Auf diese Art und Weise wurde diese Art Kragen in Italien so populär, dass man heute an jeder Ecke ein Hemdengeschäft findet, das Unmengen an Button Down-Hemden anbietet.



Robert Redford in "Die Unbestechlichen"


Geoge Peppard in "Frühstück bei Tiffany's"



Gianni Agnelli ließ den Kragen auch gerne "unbuttoned"


Als ich nun vor nicht allzu langer Zeit die Möglichkeit hatte, bei John Simons in London ein originales Brooks Bothers-Hemd "Made in USA" zu bestellen, zögerte ich nicht lang - hellblau, "slim fit" und unfassbar teuer... aber gut!




















Damit nicht genug, konnte ich kurz darauf ein etwas älteres - vermutlich aus den 1980er-Jahren - Brooks Brothers "Makers"-Button Down in der raren Farbe "helio" auf Ebay erstehen... Dieses Hemd war mit einem Preis von € 33,-- deutlich billiger - Second Hand kann sich auszahlen, wie wir wissen:




Der größte Unterschied zwischen den zwei Hemden ist, dass das gebrauchte, sicherlich an die 30 Jahre alte Hemd leichter und dünner ist, der Stoff ist weicher und wirkt nicht so "substanziell". Des Weiteren ist der Kragen völlig ungefüttert, was einen noch besseren "Roll" verspricht.

Und weil dieser Blog-Eintrag ein wenig "unfertig" wirken würde, wenn nicht Fotos vorkommen würden, bei denen die Hemden "in Aktion" sind, hier noch einige Bilder:


"Slim Fit" bei amerikanischen Hemden
wäre in Österreich eher "klassische Weite"







Ein wie ich meine, ganz netter "Collar Roll"


Die für Brooks Brothers ganz charakteristischen Falten an der Manschette


So muss die Rückenfalte bei einem typischen "OCBD"
(Oxford Cloth Button Down) aussehen.
Brooks Brothers-Hemden haben seit den 50er-Jahren keinen
"Dritten Knopf" hinten am Kragen mehr und auch keine "Locker Loop"
- die kleine Schlaufe oberhalb der Rückenfalte, die viele Hersteller zusätzlich anbringen





Die "Regel", dass mit einem OCBD keine Krawatte getragen werden soll, gehört ins Märchenland.
Allerdins sollte man eher sportliche Anzüge oder Sakkos dazu tragen - zum Beispiel aus Cord oder Tweed



Der "Roll" mit komplett ungefüttertem Kragen


Ein wenig "Ivy League" kann nie schaden -
OCBD, Tennis-Pullover, Levi's 501 and Schuhe mit "Red Brick"-Sohle -
unten drunter das obligatorische weiße T-Shirt.
Dieses kann je nach Geschmack auch weggelassen werden





Ich wünsche meinen Lesern nun viel Spaß beim nächsten Hemden-Kauf: Er wird wohl nie mehr so sein wie früher! 


P.S.: zum Abschluss noch ein netter Bildwitz...




Quelle: www.allposters.com

Sonntag, 3. März 2013

Perfekte... Jeans!

Ich bin ein Kind der späten 80er- und frühen 90er-Jahre - das war meine Schulzeit im Gymnasium und das hat mich auch durchaus geprägt. Damals musste man zumindest EIN bestimmtes Teil im Kleiderschrank haben: eine Levi's 501.

Und so trug ich nahezu ausschließlich verschiedene Modelle (oder besser, verschiedene Farben) der 501, und das bis Ende der 90er-Jahre - dann gab es eine Modephase, in der die klassische Jean geradezu totgeglaubt zu sein schien. Als diese Phase nach nicht allzu langer Zeit wieder vorbei war, "switchte" ich von der 501 zur 507 "Bootcut" und als auch die Bootcut-Jeans immer mehr von Slim Fit-Jeans verdrängt wurden, zu verschiedensten anderen Modellen aller möglicher Hersteller (einige davon habe ich nach wie vor)... und immer öfter (aber nicht nur): "Raw Denim"-Jeans, also indigoblaue Jeans ohne Stonewash- oder Sandstrahl-Behandlung.

Vor einem Jahr dann erstand ich in einer Online-Aktion zwei Jeans von "Lee 101", der Premium-Linie von Lee. Davor hatte ich immer nur "normale" Lee-Jeans, alle durch die Bank sehr gut und empfehlenswert. Ein Stück der Online-Ausbeute war eine "Lee 101Z" - der "Klassiker" von Lee, so etwas wie das Gegenstück zur Levi's 501: indigoblau, schmal aber nicht eng geschnitten und aus dem mittlerweile wieder sehr in Mode gekommenen "Selvedge Denim". Der Name kommt von "self edge", denn der Stoff wird auf speziellen Maschinen gewebt, die als Abschluss eine Webkante machen - im Gegensatz zu einem mit der Nähmaschine gemachten Endel. Viele Jahre war diese Art von Jeans kaum erhältlich, in den letzten Jahren aber gibt es geradezu einen "Selvedge-Boom" - daher werden auch so viele Jeans gekrempelt getragen (damit man die Webkante auch sieht).



Nach einem Jahr sind schon ein paar Gebrauchsspuren sichtbar.











Gut sichtbar: die "Selvedge"-Webkante


 Und im Einsatz:


Perfekt sitzende Jeans!




Sehr wichtig: der Bund ist "normal" und nicht "tief" im Sitz -
macht einen Riesen-Unterschied in punkto Bequemlichkeit!





Nun war ich endgültig auf den "Raw Denim"-Selvedge-Geschmack gekommen! Daher war es nur geradezu verständlich, dass ich über den ASOS-Versand zuschlagen musste, als ich eine Levi's 501 in "Raw Selvedge" um € 76,50 (statt immerhin €129,--) entdeckt hatte. Bei mir angekommen dann der Schreck - "Shrink-To-Fit" - also die klassischste Variante schlechthin. VÖLLIG unbehandelt - und schlecht sitzend, weil zu groß...

Außerdem hatte ich erst unlängst von einem Bekannten aus Großbritannien gehört, dass er zum ersten Mal seit 1972 Levi's 501 Shrink-To-Fit in der Badewanne anhatte, um sie perfekt "an sich ran-zu-schrumpfen" - und was ist passiert? Die Farbe dringt in Regionen des Körpers vor, die besser nicht indigoblau sein sollten...

Was also tun? Ab in die Badewanne damit - aber allein - heißes Wasser drauf, und weiter in den Wäschetrockner... Das Ergebnis:


Der Stoff ist recht "brettig", aber nicht hart





Auch hier ist die Bundhöhe "normal"







Auch hier ist die Selvedge-Kante gut zu erkennen -
wie bei Levi's klassisch, mit einer dünnen roten Naht

Angezogen:







Das Bein ist weiter geschnitten als bei
der Lee 101Z, der Sitz wirkt "schlampiger"








Fazit: Es ist bereits beschlossene Sache, dass neue Jeans entweder von "Lee 101" oder "Levi's Shrink-To-Fit" sein werden... möglicherweise bis zum Ende meiner Tage.