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Dienstag, 3. Dezember 2019

Gloverall Portland Duffle Coat - ein neu interpretierter Klassiker!


Als ich im Winter 2012 mit dem Männergarderobe-Blog begonnen habe, hatte einer der ersten Beiträge meinen Gloverall Duffle Coat aus dem Jahr 1991 zum Thema...

Zwischendurch hatte ich einen Duffle Coat von Barbour - der war nicht schlecht, aber am Ende doch kein Vergleich mit Gloverall.

Ich besitze ja auch den Litchfield Car Coat von Gloverall und kann daher sagen, dass die Qualität über die Jahrzehnte (im Gegensatz zu anderen Marken) nicht nachgelassen hat.

Nun, durch einen glücklichen Zufall konnte ich heuer einen Gloverall Duffle sehr günstig erstehen, der dem originalen Monty Duffle sehr ähnlich ist.

Das Material ähnelt sehr der berühmten toskanischen Casentino-Wolle, und ich finde den Mantel ausgesprochen gelungen:










Im Gegensatz zu einem "klassischen" Monty ist innen ein Chambray-Futter vernäht, und die Ärmel sind mit einem seidenartigen Futter gefüttert... Das erhöht den Komfort vor allem über Sakkos getragen.

Der Duffle ist außerdem sehr leicht und etwas kürzer als die traditionelleren Modelle, aber er ist vom Schnitt her nicht zu schmal und auch nicht zu kurz.

Ich bin zufrieden!




Freitag, 19. Oktober 2018

Ein herbstliches Special: Das "House of Scotland" in Wien!


Diesmal gibt es einen Beitrag, den ich schon lang im Sinn hatte...

Ein Special über das "House of Scotland", das heuer zum dritten Mal in der Wollzeile in der Wiener Innenstadt Station macht:






Das House of Scotland basiert auf einer Idee, die Peter Bichler - der Inhaber und die gute Seele des schottischen Warenhauses - vor mehr als 30 Jahren während eines Aufenthalts in Schottland hatte.

Peter Bichler wurde praktisch in die Textilbranche "hineingeboren" und hatte bereits das Familienunternehmen übernommen, als ihn in Schottland die unglaublich hohe Qualität der Strickwaren und der Tweed-Kleidungsstücke nachhaltig beeindruckten: der Grundstein des House of Scotland war gelegt.

Über viele Jahre ganzjährig in Krems und St. Pölten ansässig, ist das House of Scotland mittlerweile saisonal zwischen Oktober und März über die kalte Jahreszeit geöffnet, und das meist mitten in Wien an durchaus sich ändernden Standorten. Mir persönlich gefällt der Standort in der Wollzeile am besten - wo könnte ein Geschäft, das vorwiegend Tweed und Wollpullover anbietet, auch besser gelegen sein?


Das absolute Zugpferd des House of Scotland:
die tollen Tartan-Schals von Lochcarron um €19,90.
Nicht nur meine Lieblingsschals, sondern auch die von
Preppy-Ikone  Muffy Aldrich (Salt Water New England).



Die Affinität des Wieners beziehungsweise der Wienerin zu schottischen Strickwaren und Tweed ist eine alte, durchaus logische - ist Wien doch seit jeher eine "zugige", windige Stadt, die im Winter auch gern recht kalt werden kann. Außerdem ist der Wiener auch ein bisserl ein "Sparmeister", der gern Gutes zum besten Preis kauft.

Hier setzt das clevere Konzept von Herrn Bichler an: das Geschäft mit der warmen Wolle geht am besten über Herbst und Winter, im Sommer jedoch nur schleppend - daher nur saisonaler Verkauf, aber dafür zum bestmöglichen Preis... eine Rechnung, die aufgeht!

Sein über Jahrzehnte aufgebautes Netzwerk an persönlichen Kontakten und Freundschaften zu vielen Herstellern seiner Waren macht es möglich, dass fast alle Sakkos, Schals und Pullover, die im House of Scotland angeboten werden, hier in Wien mitunter günstiger verkauft werden können, als in vielen Online Shops der jeweiligen Anbieter.

Heuer kommt auch der "Brexit"-bedingte Fall des britischen Pfunds "preiserleichternd" dazu - auf Dauer wird der Brexit allerdings wohl für alle Beteiligten im Handel eher mehr Nachteile als Vorteile bringen, fürchtet Peter Bichler.


In den Flaschen befindet sich ein spezielles Kaschmir-
Pflegewaschmittel...

Von Lochcarron gibt es auch Taschen und andere
 Accessoires...

...ein Muss für jede/n Preppy!


Ein Schwerpunkt des House of Scotland liegt seit einigen Jahren auf Strickwaren beziehungsweise Tweed aus völlig ungefärbter Wolle - hier wird die Struktur durch die verschiedenen Nuancen der natürlichen Farben der unterschiedlichen Schafrassen erzielt:


Links die ungefärbten Pullover - rechts die bunten...

Neu seit letztem Jahr sind die großartigen - weil innovativen - Handschuhe, Schals, Hauben und Pullover der neuseeländischen Marke und Produktion von "Noble Wilde". Die absolute Spezialität von Noble Wilde ist ein Mischgewebe aus Merinowolle und dem Fell des "Possums" (auf deutsch "Fuchskusu"). Das Fell des Fuchskusus besteht wie das Fell des Eisbären aus Haaren, die innen hohl sind - daher ist der Garn aus diesem Gemisch wunderbar leicht und warm, aber auch sehr klimaregulierend. Man bekommt sozusagen alle Vorteile der Merinowolle kombiniert mit den Vorteilen des Possumfells.

Das Ergebnis sind Strickwaren, die zwar nicht billig, aber tendentiell sogar günstiger als ähnliche Strickwaren aus Kaschmirmischungen sind. Dabei sind sie allerdings weitaus haltbarer, weil sie auch so gut wie gar nicht pillen und fasern.

Man könnte sich jetzt fragen, wo bei Neuseeland der Bezug zu Schottland ist: nun, die Inhaber von Noble Wilde heißen Douglas. Sie sind Nachfahren von schottischen Auswanderern...





Eine weitere Spezialität von Peter Bichler ist die wahrscheinlich österreichweit größte Auswahl an Sakkos aus "Harris Tweed"...

Mit Taillierung, Doppelschlitz,  schrägen Pattentaschen ("Hacking Pockets") inklusive "Ticket Pocket" und recht betonten, leicht abfallenden Schultern: so wie es sich gehört!



Passt!

Ganz neu sind heuer diese Gilets ("Waistcoats") -
hier ist auch der Rücken ausnahmsweise aus Harris Tweed.
Für ganz kalte Tage unter dem Sakko oder eher warme
Herbsttage zum "blank" tragen.


Legendär ist auch die Auswahl aus Flat Caps der irischen Marke "Hanna Hats" - die meisten davon ebenfalls aus Harris Tweed, und ebenfalls zum absolut besten Preis. Sehr speziell und augenzwinkernd sind die Hanna Hats-Kappen aus Patchwork-Stoff beziehungsweise die so genannten "Deerstalker"-Jagdhüte (auch als "Sherlock Holmes"-Hüte bekannt):


Oben: Deerstalker Hats; unten: Sakkos und ein
(nur an dieser Stange!) vereinsamter, aber großartig
schöner Duffle Coat von Gloverall.


Als ich im House of Scotland zu Besuch war, war gerade eine große Lieferung von Gloverall Duffle Coats angekommen - auch was diese betrifft, gibt es in Wien kaum eine bessere Auswahl zu einem besseren Preis. Hätte ich nicht bereits zwei (!) Duffle Coats...



Im "Bargain Rack" (rechts unten) gibt's Restbestände
der insolventen Hersteller Peter Scott und Hawick Knitwear...



Auch die Auswahl an Plaids (Wolldecken aus original Tartan-Stoffen) kann sich sehen lassen... Ich wurde mittlerweile von meiner Gattin beauftragt, eine solche Decke zu besorgen. Wenn ich bloß wüsste in welchem Tartan...


Peter Bichler inmitten seiner Verkaufshits...

Das ist erst der erste Schwung an Plaids - da kommen
noch weitere von Abraham Moon & Sons Ltd. dazu...


Nach meinem Gespräch mit Herrn Bichler musste ich natürlich noch einmal durch das Geschäft streifen und mir etwas aussuchen. Ich muss zugeben, ich war noch nie im House of Scotland ohne etwas zu kaufen. Noch nie...









Freitag, 7. Dezember 2012

Duffle Coat Time - wenn der Winter Einzug hält...


Es ist hier in Österreich wieder einmal soweit - der Winter ist (endgültig) da! Im Dezember, wenn die Tage immer kürzer und die Nächte immer länger werden und der erste Schnee fällt, ist es Zeit für einen All-Time-Klassiker... den Duffle Coat!

Es ist schon ein wenig her - genau gesagt, 21 Jahre - dass ich von meinen Eltern einen Duffle Coat für den Winter bekommen hatte, und was war ich stolz darauf! Es war nämlich kein "normaler" Duffle, nein... es war ein "Original Gloverall Duffle Coat"! Aus irgendeinem Grund mussten damals diese Mäntel dunkel sein, ich kann mich an niemanden erinnern, der Anfang der 90er-Jahre einen beigen Duffle Coat trug... Und so war meiner auch in dunkelblau gehalten:




Zur Geschichte des Duffle Coat gibt es einiges zu berichten:

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde in Großbritannien ein Mantel für die Marine entwickelt, der während des ersten Weltkriegs vorwiegend bei U-Boot-Besatzungen Anwendung fand. Er war übergroß geschnitten (damit er über die Uniform passt), hatte eine Kapuze, einen Schulterkoller als Nässeschutz und spezielle Knebelverschlüsse, die auch bei großer Kälte mit Handschuhen geöffnet werden konnten. Später wurde er im zweiten Weltkrieg bereits nicht nur von der Marine, sondern auch von Offizieren gern getragen, denn er war warm, praktisch und durchaus charmant. So war auch Feldmarschall Montgomery ein bekennender "Fan" des Duffle Coat.  Aus diesem Grund wird der militärische Duffle Coat auch gerne "Monty" genannt.

Nach dem zweiten Weltkrieg räumte die British Navy ihre Lager und gab massenweise Duffle Coats an die Not leidende Bevölkerung ab. Das war der Beginn des "zivilen" Siegeszugs des Mantels, der auch als "Convoy Coat" oder "Duffer Coat" bekannt wurde. Irgendwann während der 50er Jahre konnte die Nachfrage wohl nicht mehr befriedigt werden und  die Firma "Gloverall" begann, ihre eigene Version davon zu produzieren - den "Original Gloverall Duffle Coat Made in England". In den 60er Jahren waren diese Wintermäntel dann in den USA unter College-Studenten extrem beliebt, an so genannten "Preparatory Schools" gehörten sie zur Schuluniform, in Europa trugen sie vor allem die revoltierenden Studenten in Paris - Stoff genug für einen ausgewachsenen Kult-Status!



Der Klassiker von Gloverall...

Die originalen Lederschlaufen waren nach 20 Jahren kaputt -
die Seilschlaufen, die mein Schneider angebracht hat, sehen verdammt gut aus!