Mittwoch, 13. Dezember 2017

Das Internet - ein Hort der Mythenbildung! Zum Thema: Macharten für Schuhe, typisch österreichisch: Holzgenagelt und Zwiegenäht...


Ich habe vor nicht allzu langer Zeit ein Paar Vintage-Stiefeletten erstanden, die mir leider zu klein sind... Holzgenagelte, knöchelhohe Schnürschuhe aus dem Jahr 1952, die als Polizeischuhe verwendet wurden, ganz ähnlich denen auf diesem Bild:



Quelle:
www.herwig-lenau.at

Das Holznageln ist eine der zwei traditionellen Methoden, die hier in Österreich schon seit mindestens dem 18. bis 19. Jahrhundert für Schuhe angewendet werden - und zwar hauptsächlich für "bessere" Schuhe ("dress shoes") beziehungsweise Arbeitsschuhe (zu denen ich diese Polizeischuhe zähle)...


Mit Maschine holzgenagelte Konfektionsschuhe, als
Polizeistiefel verwendet.
Zirka 1947 - 1958


Woher das Holznageln ursprünglich kommt, ist nicht restlos zu klären - vermutlich wohl aus unseren Breiten - genauer gesagt, aus dem austro-hungarischen Kaiserreich.

In den USA wurden im 19. Jahrhundert jedenfalls Maschinen für die Holznagelung erfunden, die dort aber nur mehr sehr selten zu finden sind. Auch hier in Europa ist die Schuhmanufaktur Handmacher die einzige, die noch über solche Holznagelmaschinen verfügt. Mittlerweile ist das so genannte "Goodyear"-Verfahren (ebenfalls aus den USA stammend) zum Rahmennähen weltweit weitaus verbreiteter, was oftmals den Schluss nahelegt, das Rahmennähen mit diesem Verfahren wäre das "bessere", edlere Verfahren. Auch, weil es vorwiegend in Großbritannien in Northampton verwendet wird.

Dem ist nicht so - es ist wohl eher ein Unterschied, vergleichbar mit dem  zwischen "Wiener" Schnitzel oder "Pariser" Schnitzel 😉. Es ist Geschmackssache, oder einfach eine Entscheidung je nach Einsatzzweck - beide Methoden haben ihre Vor- und Nachteile.

Der legendäre österreichisch-ungarische Schuhmacher Béla Nagy hat die meisten seiner Schuhe holzgenagelt - dafür gab es sicher einen guten Grund!

Tatsache ist, auch traditionelle US-amerikanische Westernstiefel aus Texas werden holzgenagelt (zusätzlich wird noch eine Doppelsohle aufgenäht)... per Hand, ganz so wie es österreichische oder ungarische Schuhmacher bei Maßschuhen immer noch machen!

Oft wird behauptet, dass die Holznägel mit der Zeit aus den Sohlen herausfallen würden... auch das ist längst überholt. Die Holznägel werden spätestens seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts (also seit über 100 Jahren) so bearbeitet, dass sie nach dem Einschlagen aufquellen und sich mit dem Keder (das ist der Rahmen) beziehungsweise Lauf- und Brandsohle bombenfest verbinden. Ich kenne niemanden, der holzgenagelte Schuhe besitzt, der jemals einen solchen Holznagel "verloren" hätte.



Traditionelle Western-Boots.
Quelle: classicshoesformen.com



Die zweite Methode, das Zwienähen, kommt in erster Linie bei Wander- und Bergschuhen (zum Beispiel bei den weltberühmten "Goiserern") zum Einsatz, oder aber auch bei Trachtenschuhen. Auch Budapester-Lochmusterschuhe werden oft zwiegenäht, das wären dann "bessere" Schuhe, die aber doch eher für schlechtes Wetter gedacht sind und die auch sehr rustikal aussehen, denn das Zwienähen macht den Schuh wasserfest und naturgemäß klobiger.

Im Internet wird das traditionell mitteleuropäische Zwienähen (= "Goyser Welting", von "Goiserer) sehr oft mit dem "Norwegian Welting" (das offenbar nur scheinbar aus Skandinavien stammt) verglichen beziehungsweise vertauscht...

Der Vergleich ist aber auch sinnvoll, denn im Prinzip ist diese - reine Handarbeit - auch praktisch identisch. Dabei werden zwei gewachste, imprägnierte dicke Fäden gegeneinander vernäht, damit der Rahmen, der dabei mit der Laufsohle verbunden wird, abgedichtet wird. Bevor das passiert, wird der Rahmen per Hand an der Brandsohle angenäht, im Schusterjargon heißt das "handeingestochen".



Handgenähte Zwienaht bei Schuhen von Laszlo Vass.
Quelle: Styleforum


Sehr oft werden aber auch maschingenähte Zwienähte als "Goyser Welt" oder "Norwegian Welt" bezeichnet, was aber streng genommen nicht korrekt ist. Hier läuft die Naht nämlich parallel, was zwar auch an sich nicht schlecht ist, aber bei weitem nicht den Effekt erzielt, den eine korrekt per Hand vernähte Zwienaht erreicht. Diese Maschinennähte findet man bei Steinkogler in Österreich, bei Bergschuhen von Zamberlan in Italien oder auch bei Paraboot in Frankreich - auch wenn die Firma Paraboot auf der eigenen Webseite behauptet, dass sie der "world leader" des Zwienähen seien!

Faktum ist, das Zwienähen mit Maschine ist bereits eine "Variante" der Originalmachart Zwienähen, und das wiederum ist eine typisch österreichische Machart, die es - historischen Bildern zufolge - bereits seit über 200 Jahren gibt.


Paraboot Michael. Quelle: Goodhood London


Leider zahlt man sehr oft sehr viel Geld für die vermeintliche Handarbeit, obwohl die Schuhe am Ende doch nur massengefertigt und mit Maschinennähten doppelt vernäht sind (gut, aber doch weitaus günstiger herzustellen, als per Hand zwiegenähte Schuhe).

Man kann hier die Preisgestaltung von Steinkogler mit der von Paraboot vergleichen - dieselbe (maschinelle!) Machart, ähnliche Verarbeitungsqualität, aber weit auseinanderliegende Preise, die zumindest bei Paraboot einem cleveren Marketing geschuldet sind.

All diese Macharten werden spätestens seit den 1930er-Jahren durch eine zusätzliche Verleimung per Schusterleim unterstützt - diese Verleimung alleine hält! Oft wird auf eine genähte Zwischensohle nämlich eine Gummilaufsohle von Vibram oder anderen Herstellern nur mehr aufgeklebt. Das Gerücht, dass sich solche Sohlen mit der Zeit ablösen würden, ist freilich nur ein Gerücht. Wer einmal mit Schusterleim zu tun hatte, weiß wovon ich spreche...

Immerhin stellt die Manufaktur Steinkogler seit Jahrzehnten die Goodyear-rahmengenähten Stiefel des Österreichischen Bundesheeres so her - und auch hier gilt: wäre das eine "inferiore" Machart, würde das Bundesheer wohl seine Stiefel nicht seit etwa 60 Jahren bei Steinkogler ordern, die spätestens seit den 1960er-Jahren die Gummisohlen nur aufkleben und nicht noch einmal zusätzlich vernähen.


Feldschuh leicht des Österreichischen
Bundesheers mit an der rahmengenähten
Zwischensohle aufgeklebter Gummisohle.

Quelle: www.jotex.at


Final kann gesagt werden, dass es "besser" bei den Schuhmacharten nicht gibt - es gibt nur verschiedene Einsatzzwecke und verschiedene Preis-Leistungs-Verhältnisse...


Dienstag, 21. November 2017

Timberland Authentic 3-Eye "Classic Lug"-Moccasins in "Burgundy Pull Up"- ein Klassiker...


Als ich voriges Jahr im Parndorfer Designer-Outlet über diese Timberland Moc Toe Boots gestolpert bin, wusste ich noch nicht, dass sich diese nicht nur optisch als qualitatives Zuckerstück herausstellen werden...

Jedenfalls hat der erste Eindruck nicht getrogen, die Boots sind hervorragend!

Die Herstellerfabrik in der Dominikanischen Republik, die die gesamte "Authentic"-Moccasin- und Bootsschuh-Linie für Timberland fertigt, scheint wirklich gute Qualität zu liefern.

Aus diesem Grund war ich heuer einmal in einem Timberland-Flagship-Store, um einige Modelle genauer unter die Lupe zu nehmen... hängen geblieben bin ich bei einem Klassiker, der von Timberland seit 1977 unverändert produziert wird, und der bei anderen Herstellern in praktisch gleicher Form angeboten wird - so auch bei der Eastland Shoe Company (hier unter dem Namen "Seville Oxford"): der 3-Eye "Classic Lug"-Moccasin.

Hier in Österreich sind diese Schuhe spätestens seit den 1980er-Jahren sehr beliebt, vor allem als Freizeitschuhe in Begleitung von Barbour-Jacken. Nach Europa gebracht haben sie ein paar Jahre zuvor eindeutig die berühmt-berüchtigten "Paninari".

Ich habe mir die Schuhe letztendlich in den USA bestellt, denn ich benötige die schmalere Weite, die in Österreich kaum zu bekommen ist:







Ich hatte vor fast 30 Jahren ganz ähnliche Schuhe, daher sind sie auch eine Jugenderinnerung für mich... ich bin zufrieden.


November 2017




Dienstag, 17. Oktober 2017

Das Männergarderobe-Lookbook: Vintage Casual / Business Casual


Der neueste Teil des Männergarderobe-Lookbooks ist eindeutig dem Vintage-Stil verschiedener Epochen gewidmet:



Business Casual
Oxford-Button Down-Hemd: Vintage Brooks Brothers
Pullunder: Vintage; Schalkrawatte: Vintage
Leinen-Sakko ("Brookslinen"): Vintage Brooks Brothers
Leinenhose: DNA Groove
Schuhe: ASOS Made in England (NPS Solovair)
September 2017



Business Casual
Rollkragenpullover: Weekday
Freizeit-Sakko: Vintage No Name
Eszterhazy-Karo-Hose: Vintage No Name
Socken: Falke
Schuhe: Laszlo Vass Chukka Boots
Oktober 2017




Dienstag, 26. September 2017

Das Männergarderobe-Lookbook: Frühherbstlich / Business Casual; Abendgarderobe / Festlich


Der Herbst ist da!


Abendgarderobe kann auch außerhalb Ballsaison erwünscht sein, und Ivy League / Preppy ist niemals falsch...



Business Casual
Oxford-Button Down-Hemd: Lean Garments
 Krawatte aus Seidenstrick: Knize
Cord-Sakko: Polo Ralph Lauren
Chinos: Polo Ralph Lauren
Jacke: (Lightweight) Barbour Beaufort
Tasche aus Leder: Isabella Rhea; Schirm: Knirps
Socken: Falke
Schuhe: Cole Haan Pinch Pennyloafer
September 2017


Abendgarderobe
Hemd: Karl Lagerfeld for H&M
Fliege & Kummerbund: Charles Tyrwhitt
Smoking: Lanvin for H&M
Pochette: Vintage
Socken: Falke
Schuhe: Allen Edmonds "Spencer"
September 2017




Sonntag, 17. September 2017

Allen Edmonds Spencer - der etwas andere Militärschuh!


Schon vor über einem Jahr bin ich über ein Paar Allen Edmonds "Spencer"- Schuhe gestolpert... und da ich genauso einen Schuh gebraucht habe, wurde dieses Paar auch gekauft.

Der Spencer ist ein besonderes Modell, denn er ist eigentlich ein Militärschuh - und zwar die Art von Schuh, die bei den US-Marines im Rahmen ihrer Gala-Uniform getragen wird:


Quelle: US Marine Corps (Official Website)

Wozu benötige ich solche Lackschuhe? Nun, ja, zum Smoking natürlich! Doch nun zu meinen eigenen "Spencer":










Mittwoch, 30. August 2017

Tracht für die Männergarderobe!


Manchmal ist Tracht angebracht!

Mitbringsel aus dem Urlaub in St. Gotthard:








Die Kombinationsmöglichkeiten eines klassischen Trachtensakkos und einer klassischen Trachtenweste sind durchaus vielfältig...

Das Männergarderobe-Lookbook: Hochsommerlich / Freizeit / Wochenende


Der Sommer macht uns eine letzte, sehr warme Aufwartung.

Teil III des Männergarderobe-Lookbooks bedient wirklich warmes Wetter und zeigt, dass kurze Ärmel nicht nur für Busfahrer sind, und T-Shirts nicht nur für Teenager.




Freizeit / Wochenende
Sonnenbrille: Vintage B&L Ray Ban Wayfarer
Hemd: Lands' End Seersucher BD; Shorts: Lands' End Non Iron Chinos
Schuhe: Cole Haan Pich Pennyloafer
August 2017



Freizeit / Wochenende
Hut: Bigalli - Original Panama
Sonnenbrille: Vintage B&L Ray Ban Round Metal
T-Shirt: Zara Linen Collection
Gilet: Vintage, Second Hand
Leinenhose: DNA Groove
Schuhe: Fracap D025 Sandalen
August 2017



Freitag, 28. Juli 2017

Mein derzeitiger Geheimtipp für Accessoires:


 

 

 Hier findet man sehr, sehr nette Accessoires in guter Qualität...


Vor allem im Abverkauf:


Shopper / Badetasche um €19,--
Schreibtisch-Accesoires von Hay meets COS,
zwischen €6,-- und €19,--

Organizer und Schreibtisch-Ballograf... So einen Ballograf
wollte ich als Kind immer haben! Jetzt hab' ich einen.

Ich werde hier Rechnungen aufbewahren.




Wer noch nie bei COS drin war, sollte mal reinschauen. Kann sich lohnen!


Donnerstag, 13. Juli 2017

Zeit für eine neue Idee - das "Männergarderobe"-Lookbook!


Vor etwa zwei Wochen bin ich in der Städtischen Hauptbücherei über dieses Buch da gestolpert:



 

Bernhard Roetzel - bekannt als Herrenmodespezialist, Buchautor und Blogger - hatte die sehr gute Idee, eine Reihe von Stilbloggern um Beiträge für ein Lookbook zu den Themen "Business-Garderobe", "Wochenende und Country-Style" beziehungsweise "Anlasskleidung" zu bitten.

Was dabei herausgekommen ist, möchte ich hier weder rezensieren noch kommentieren - am besten, ihr borgt euch das Buch auch aus oder kauft es euch 😊

Jedenfalls ist mir bei der Lektüre die Idee gekommen, selbst ein "Männergarderobe-Lookbook" zu starten...

Ich werde ebenfalls die Themen "Business / Business Casual", "Freizeit / Wochenende / Country" und "Anlasskleidung" anschneiden, wobei der Schwerpunkt wohl am ehesten auf dem Thema "Freizeit / Casual" und "Business Casual" liegen wird - die "Anlasskleidung" wird bei mir eher unterbelichtet sein, denn ich bin (scheinbar ganz im Ggegensatz zu den meisten semiprofessionellen und professionellen Stilbloggern) so gut wie nie auf hochadeligen Hochzeiten oder am Opernball eingeladen und besitze daher weder einen "Cut" (= "Morning Dress") noch einen eigenen Frack 😀😉.

Doch... lasst euch überraschen!

Ich werde in den nächsten Tagen mit einigen Beispielen für  sommerliche Outfits nach den oben genannten Schwerpunkten beginnen.

Bis dann!



Donnerstag, 6. Juli 2017

TK Maxx - immer einen Besuch wert!


Es lohnt sich immer, bei TK Maxx hineinzuschauen. Zwischen Unmengen uninteressanter Massenware, die sich oft als tolle Markenware tarnt, befinden sich vereinzelte Gustostückerln, die man oft mühsam herausfinden muss.

So hat meine Frau gestern eine tolle Sonnenbrille von Loewe gefunden, um €49,-- statt €199,--... Acetat-Rahmen, verschraubte Bügel mit Metallkern - Made in Italy, eindeutig hohe Qualität - und ein unwiderstehlicher 1970er-Retro-Touch:






Und ich... ich hab das hier gefunden:


Paul Smith / Oliver Peoples PS-294 Optische Brille
(natürlich noch ohne optische Verglasung!). € 49,--
statt ca. €340,--. Acetat-Rahmen, Made in Japan.


Common People Nomasa Waistcoat. € 16,99
statt € 120,--






Samstag, 1. Juli 2017

Fracap D025 Sandalen für das heiße Sommerwetter!


Wir hatten hier in Wien einen tropisch anmutenden Sommerstart mit Temperaturen bis zu 36°C...

Und da ich seit einiger Zeit nicht mehr immer alle Schuhe tragen kann, die ich möchte - das Problem nennt sich Plantarfasciitis - war ich auf der Suche nach guten, an der Ferse weich gedämpften Sommersandalen, die dazu noch gut aussehehen... und ich wurde fündig!




Die Verarbeitung ist - wie immer bei Fracap - sehr gut.
 

 



Diese Sandalen sehen wirklich gut zu Shorts / Bermudas und zu leichten Leinenhosen aus!


Donnerstag, 8. Juni 2017

Phil Petter Poloshirt - Made in Austria...


Ich bin letztens zufällig auf ein Polo-Shirt aus Bucklé-Frottee gestoßen... von Phil Petter, "Made in Austria". Es ist selten geworden, dass man ein Kleidungsstück aus heimischer Produktion findet!

Aus diesem Grund - und weil ich schon seit längerem nach einem Polo in dieser Art suche - musste ich zuschlagen (genau genommen hab' ich es von der besten Mutter der Welt geschenkt bekommen 😉):


Gerade das seltsame Material gefällt mir besonders!

Klassischer Schnitt...





Ich sehe das Shirt mit kurzen Hosen oder Leinenhosen, insgesamt also sehr sommerlich.

Oder aber am Strand oder im Bad zur Badeshort und Flip Flops.... zum Essen gehen in die Strandbar, oder zum Cappucino...


Riviera-Style á la 1960s!


James Bond 007 in "Dr. No".
Quelle: www.bondsuits.com

NACHTRAG:

 

 

Juli 2017