Freitag, 30. Januar 2015

Winterschuhe, die gefallen... und gekauft wurden: Fracap "M127" Scarponcini


Kann ich länger als drei Wochen lang NICHTS kaufen? Sieht eher nicht so aus...

Seis drum: entdeckt im Online Shop des Bozener Unternehmens "Rizzolli", vergünstigt, und sonst in dieser Ausführung nirgends mehr erhältlich:


Sehr sympathisch: die Schuhe wurden mit Schuhcreme,
Ersatz-Schuhbändern und Schmutzbürste geliefert


Fracap "M127" Scarponcini - leichte Wanderschuhe alten Stils aus Fettleder, mit einer klassischen Vibram-Sohle... Perfekt für das mittlerweile typische Wiener "Gatschwetter" im Winter!




Mir gefallen die dünkleren Schuhbänder im Moment besser.


Dienstag, 13. Januar 2015

Levi's Vintage Clothing - Sta Prest Cords à la 1960s!


Ich habe es getan - schon wieder - ich habe in einem Online-Sale zugeschlagen... Levi's Vintage Clothing ist die Linie von Levi's, die sich mit authentisch reproduzierten Kleidungsstücken aus der langen Geschichte des Herstellers befasst und diese regelmäßig neu auflegt.

Ich konnte diese zwei Cord-Hosen aus der Sta Prest-Linie (Sta Prest wurde 1964 bei Levi's eingeführt - diese Hosen sind "bügelfrei" und kennzeichnen sich durch eine immerwährende Bügelfalte, die bei Cord allerdings trotzdem fast unsichtbar bleibt) erstehen -  eine weinrote Hose mit Stecktaschen, die einen sehr klassischen hohen Bund hat und im Bein sehr schmal geschnitten ist, und eine graue Five-Pocket mit hohem Bund und ebenfalls sehr schmalem Bein:


Stecktaschen, hoher Bund, schmales Bein: mehr 60s geht nicht!




Diese Hose ist deutlich zu lang -
sie wird 4cm hohe Stulpen bekommen...



Hier passt die Länge ausgezeichnet!

Diese zwei neuen Hosen sind eindeutig eine Bereicherung meines Kleiderschranks - sowohl Farben als auch Schnitt sind ausgezeichnet zu kombinieren!

Tragebilder werden schon sehr bald folgen :)


NACHTRAG:


Jänner 2014

Fertig "gestulpt"!

Perfekt mit Red Wings und Caban-Jacke!


Mittwoch, 7. Januar 2015

Eine Lanze für die Herrenmode...


Ich weiß, ich selbst habe in der einführenden Erklärung meines Google-Bloggerprofils erwähnt, dass mein Fokus auf einer "modernen" und nicht "modischen" Männergarderobe liegt. Ich bin auch eher von der so genannten "Klassik" beeinflusst, als von der gängigen Mode.

Aber halt! War die so genannte "Klassik" nicht auch einmal "in Mode"? Trugen die Männer immer schon Trench- oder Dufflecoats? Trugen sie immer schon Fedora-Hüte oder Pork Pies? Ist nicht die heutige "Klassische Herrenkleidung" mehr oder weniger eine Variation der Savile Row-Anzüge der frühen 1960er-Jahre bzw. der neapolitanischen Anzüge derselben Ära (denken wir nur an Sean Connery als James Bond oder Marcello Mastroianni in "Hochzeit auf Italienisch")...? Damals waren diese hochmodern, und gar nicht "klassisch"!

Mode passiert. Ständig. Viele Leute verwechseln sehr oft Mode mit "Mainstream". Und wollen absolut nicht mit Mode in Verbindung gebracht werden, denn Mode scheint oft übertrieben, ja geradezu "stillos" zu sein.

Doch das, was gerade "in" ist, ist in der Modewelt eigentlich längst wieder "out" - Die Trendsetter sind längst einen Schritt weiter - und geben vor, was in ein paar Jahren modern sein wird. Und... diese tragen meistens Kleidung, die mehr oder weniger "klassisch " erscheint, denn alles - aber auch wirklich alles - ist schon einmal da gewesen, zumindest im 20. Jahrhundert. Man denke nur an Designer wie Yves Saint Laurent, aber auch Tom Ford oder Ralph Lauren.

Ich mag Mode. Sie kann inspirieren und abschrecken zugleich, tragbar sein oder nicht. Wer seinen eigenen Stil finden will, muss herausfinden, was ihm passt und steht - und wenn es gerade "in" ist, ist es gut. Wenn es gerade nicht "in" ist... auch gut - damit ist man am besten Weg, ein Trendsetter zu sein! :) ;)








Montag, 29. Dezember 2014

Nu Shoes Day! Vintage Florsheim "Signature Series" Longwing Brogues


Nun, dass ich gerne schöne Schuhe habe, wissen wohl die meisten meiner Leser... Also konnte ich dem Angebot auf Ebay, in dem NOS (New Old Stock, also ungetragene) Florsheim Longwings angeboten waren, nicht widerstehen... Diese Schuhe sind vermutlich 30 - 50 Jahre alt, genauer lässt es sich derzeit mit meinem Wissensstand nicht sagen.

Florsheim war einmal eine der beliebstesten und besten Schuhmanufakuren der USA. Das Modell "Kenmoor" aus den späten 1940er- oder frühen 1950er-Jahren genießt Kultstatus und war so ziemlich der beliebteste amerikanische Schuh der 1960er-Jahre.

Obwohl nicht "Florsheim Imperial Collection" - die frühere Premium-Linie von Florsheim - sondern von der scheinbar günstigeren "Signature Series", sind die Schuhe von sehr hoher Qualität, durchaus zu vergleichen mit modernen Schuhen aus dem Preissegment von ungefähr € 280,-- aufwärts:










Zur Passform muss gesagt werden, dass die Schuhe am schmalsten Leisten von Florsheim gefertigt wurden, sie haben die Weite "A". Ich habe einen sehr schmalen, langen Fuß mit niedriger Risthöhe - sie passen nahezu perfekt, allerdings schon fast zu knapp am linken Fuß über den Rist, wenn ich etwas dickere Socken (z.B. Burlingtons) anhabe. Doch ich gehe davon aus, dass sich das nach dem Eintragen gegeben haben wird. Wenn nicht, kann der Schuster des Vertrauens den Rist etwas weiten.

Ich in zufrieden, ein schönes verspätetes Weihnachtsgeschenk an mich selbst!



NACHTRAG:

 

September 2015

Jänner 2016



Freitag, 26. Dezember 2014

Aus "Alt" mach "Neu"!


Vor einiger Zeit beschäftigte sich einer meiner Beiträge erstmals mit einer Armbanduhr. Nun möchte ich erneut über zwei meiner Armbanduhren berichten.

Vor einigen Jahren fanden sich in einer Lade im alten Gartenhaus meiner Großmutter einige uralte Uhren verschiedenster Herkunft wieder - darunter auch eine Doxa "Anti-Magnetic" und eine Dugena "Tropica" meines Großvaters, die aus den späten 1950er-Jahren bzw. frühen 1960er-Jahren stammen dürften.

Beide Armbanduhren waren stark gealtert und abgenützt und befanden sich an jeweils einem kaputten "Tropic-Perlonband" in ehemals olivgrün (mittlerweile mehr grau geworden). Doch das Werk schien nicht kaputt zu sein, denn die Uhren liefen bei Bewegung an. Also beschlossen meine Eltern, mir diese beiden Armbanduhren als Andenken jeweils zu einem Anlass überholen und servicen zu lassen.

Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen - schöne Klassiker alten Stils, die perfekt zum Anzug oder aber auch zum Sportsakko aussehen:


Doxa Antimagnetic,
Gehäuse aus verchromten Messing

Dugena Tropica, Gehäuse aus vergoldetem Edelstahl

Man ist zwar an die eher kleine Größe (Durchmesser ohne Krone etwa 35mm) kaum mehr gewöhnt, aber gerade deshalb dürften diese Uhren sehr positiv auffallen. Die Komplimente, die ich immer wieder bekomme, sprechen für sich!





Zur Dugena kam noch ein
dunkebraunes Reserveband
dazu :)



Sonntag, 28. September 2014

Tour de Mod Teil V: Scott Fraser Simpson, Hong Kong / London





Diesmal habe ich Scott Fraser Simpson befragt. Scott ist in der britischen Landschaft der Modernisten - obwohl erst 23 Jahre alt - bei weitem kein "unbeschriebenes Blatt", denn er ist Inhaber der Scott Fraser Collection und Style and Classics Vintage Menswear Emporium (zwei in der Szene sehr angesehene Bekleidungsunternehmen).

Er schreibt und unterhält des weiteren den Blog  www.retrospectivemodernism.wordpress.com.

Abgesehen davon ist er am Cover des Buches "I'm One: 21st Century Mods" von Horst A. Friedrichs zu sehen. Scott kommt ursprünglich aus Hong Kong, lebt aber in London.




Hi Scott! Thank you for being part of this "Tour de Mod"! How and when did you get interested in the "Mod"-Lifestyle? How did your style evolve since then?

I started out getting into the scene when I turned 16. I got a Vespa 50 special, joined a local Brighton scooter club and started going out to a few night clubs with them and the got hooked from then on.

Where do you get your inspiration from? Movies, Magazines, the Internet?

I like to mix up different looks. The internet helps to get reference from different eras and also opens up avenues of discussion with different people. I also collect vintage clothing as well as selling them (Style and Classics Vintage Menswear Emporium) and I've found that through doing this I've been able to come across so many pieces of clothing from a variety of different eras. 




What is the core of being a "Mod"? Is it just clobber or a whole lifestyle for you?

For me it's about dressing up and presenting yourself in the way you want to be seen. I personally get satisfaction from putting a slick outfit together over throwing on something that took no thought or consideration. It's about enjoying what this scene has to offer but also about making it want you want, start nights, wear something different etc. - break the mould.

How did it come that you are on the cover of “I'm One: 21st Century Mods” by Horst A. Friedrichs?

I met Horst several years ago when he was documenting the New untouchables nights, from then on we became good friends and when he asked me if I wanted to shoot the cover, based on his character and for a friend, it was a no brainer.

Do you think it is different to be a Mod in England to other countries? Is there still a vibrant scene where you live or is it (again) just a bunch of very few hardcore stylists? Does your origin (as you were born in Hong Kong) has an impact on your style?

I think different countries scenes vary but I like travelling to them to see how they do it. The Spanish know how to party. Italians know how to dress. My style is a mixture of the different vintage styles I like, I don't try to replicate or mimic what came before - you've just got to bring something fresh to it so it doesn't stagnate. 




How important is Music for you and who is your All-Time-Favourite?

There are so many artists and genres that I'm interested in. Music is such a big part for me - ask me one week and I'd say it was all about Latino funk the next week late 50s jazz. It's all how I'm feeling but as long as it's got a good beat I'm on it.

Do you have some favourites amongst celebrities who claim to be "Mod"?

No.




For you, running your own clothing business... How was that idea born? What is your main inspiration for the “Scott Fraser Collection”? Do you look back only to the 1950s and 1960s or is there any significant influence from "Today", too?

The Scott Fraser Collection was founded in London during the summer of 2013 under the concept of Retrospective Modernism – the notion of keeping one eye on the past, but the other firmly set to the future.

The brand and the designs are a result of an obsession with detail, and are inspired by the contemporary modernist movement in and around the UK and Europe over the past decade.

The aim of the collection is not to replicate pieces from yesterday, but to reinterpret these timeless icons of design, using them as a source of inspiration for today-ready clothing, luggage and accessories. S.F. cements these essential details into current ready-to-wear pieces, in order to preserve them for decades to come. As a mark of respect.

I get inspiration from everywhere, it's hard to pin point exactly where I find it. A colour of a jacket I see on someone, details on vintage pieces I have or something I notice from contemporary street style etc.

Running Style and Classics Gove me a platform to share vintage clothing with people- by selling or sharing the history behind garments or labels. These stories sit on my blog alongside updates and the workings of the S.F. Collection.


Der Seesack der Scott Fraser Collection sieht fantatisch aus!



Scott Fraser Simpson ist einer der Mod-orientierten Dresser, der den Grundgedanken von "Mod" im Sinne von stetiger Veränderung und der Kombination verschiedenster Einflüsse zu einem harmonischen Ganzen versteht und auch lebt.

Noch einmal danke für das Interview!


Samstag, 26. April 2014

Budapester...


... von Laszlo Vass. Unglaublich, aber wahr. Ein dermaßen gutes Preisangebot, dass ich zuschlagen musste (Vass-Schuhe haben eine einfach sehr, sehr hohe Qualität und sind dementsprechend teuer, normalerweise zu teuer für mich). Diesmal weder Mod, noch Ivy League, schon gar nicht italienisch vom Stil - sondern so dermaßen "altösterreichisch"-ungarisch, dass es schon wieder cool ist. Zwiegenähte Budapester in einer seltenen, schwarzen Kalbsleder-Scotchgrain-Mischung:


Zwiegenäht - mitteleuropäisch und wasserdicht!

Ein perfekter Schuh für die kalte Jahreszeit -
bequem (dicke Socken gehen sich gut aus),
robust und unempfindlich...



Auch hier ist eine (doppelte)
Rendenbachsohle im Einsatz!


Bilder "am Fuß" wohl erst im nächsten Herbst - aber dann...!



NACHTRAG:




Perfekt mit Burlington-Socken!



Mittwoch, 16. April 2014

Tour de Mod Teil IV: Robert Rotifer, Canterbury / Wien






Mein Gast ist diesmal ein in Österreich sehr bekannter Musikjournalist - sein Name ist:


 Robert Rotifer

© Paul Richards


Robert ist in erster Linie Musiker. Er ist bekannt sowohl für seine Solo-Alben, als auch für seine Zusammenarbeit mit anderen österreichischen Musikern und Bands wie Ernst Molden oder Velojet. Er war von 2010 bis 2012 Kurator des Wiener "Popfests" und das Musikvideo zu seinem Song "The Frankfurt Kitchen" wurde 2010 im Rahmen der Ausstellung "Counter Culture" in die Sammlung des "Museum of Modern Art" in New York aufgenommen. Des Weiteren schreibt er einen Blog  für den österreichischen Radiomusiksender FM4.


Museum of Modern Art, New York, 2010,
Präsentation zur Ausstellung "Counter Culture".


Doch langer Rede, kurzer Sinn - das Interview:


Was hat dein Interesse am „Mod-Lifestyle“ geweckt? Wie hat sich dein Kleidungsstil über die Jahre hinweg verändert/entwickelt?

Im Jahr 1979 wurde ich zehn. Ich kann mich jetzt noch an die Fernsehsendung Trailer erinnern, in der Frank Hoffmann wöchentlich Filme vorstellte. Da war ein Beitrag über „Quadrophenia“, der hat mich magnetisiert, weil die Leute, die darin vorkamen, ein bisschen so aussahen wie die von mir als Kind vergötterten Beatles, nur viel, viel gefährlicher. Nach dieser ersten Begegnung dauerte es ein paar Jahre, bis ich mich ernsthafter mit der Mod-Sache beschäftigte. 1982, als noch-12-jähriger, war ich einen Sommer lang mit meiner Schwester bei einer Host Family auf Ökista-Reise in Canvey Island. Dort war damals das Mod Revival noch in vollem Gang. Ich beobachtete also vier Wochen lang die Typen, die in Loafers, Sta-Prests und Perrys herumliefen und kaufte mir schließlich in Southend mein erstes Fred Perry-Shirt, weiß mit hellblau/dunkelblauem Trim. Nach und nach lernte ich dann mehr dazu. Sowohl musikalisch als auch modemäßig waren die Sixties meine Ausflucht aus dem Elend der Achtziger Jahre mit ihren Bundfalten-Hosen und Dosen-Schlagzeug-Sounds und der „Jetzt ist der Spaß vorbei“-Rhetorik unserer Lehrer. Der logische Schritt war, diese verrufene Zeit des Aufbruchs und der Befreiung zu erkunden, die offenbar gerade zu Ende gegangen war. Mein Taschengeld reichte für Nice-Price-Vinyl, Desert Boots und ein paar einigermaßen überzeugende Second-Hand-Sakkos. Bei meinem nächsten England-Aufenthalt zwei Jahre später kaufte ich mir in der Carnaby Street, wo es damals noch einige billige, eher trashige Mod Shops wie etwa das Cavern gab, eine weiße Denim-Jacke und -Hose, die kombiniert mit rotem Rollkragenpulli einen beinahe authentischen Keith Moon-Look ausmachten. Ich besaß übrigens nie einen Parka und war auch nie Teil einer Scooter-Bande, nie am Donnerbrunnen unterwegs. Ich war immer mehr Sixties-Fetischist als Mod, und in Wien, wo ich aufwuchs, war die Szene auch nicht unbedingt so sympathisch. Natürlich ist Elitarismus ein essentieller Bestandteil des Mod-Ethos, aber in Wien hatte er – im Gegensatz zum Proletarierstolz der britischen Mods – immer eine unangenehm aggressiv bourgeoise Färbung. Aber lassen wir das einmal beiseite. Für mich ging es wie gesagt darum, die unsagbare Grässlichkeit der Achtziger mit einer besseren Parallelwelt zu überdecken, musikalisch und ästhetisch. Mit der Zeit lernte ich dann über die Musik doch sehr feine Leute in der Wiener Mod- und Psychedelic-Szene kennen. Der Schlüssel war, dass ich ziemlich gut Gitarre spielte. Das brachte mich mit Leuten jenseits meiner Generation in Kontakt, die schon ein bisschen weiter waren in ihrer Erforschung der Subkultur.


Wien, 1989 mit "The Losers".


Was inspiriert dich? Sind es eher Filme, oder Magazine, das Internet?

Als 14-jähriger wollte ich einfach Pete Townshend sein. Ich konnte mir stundenlang Bilder von diesem dünnen Typen mit der langen Nase ansehen und kriegte nie genug. Dann hab ich mir um sagenhafte 400 Schilling beim Meki in der Operngasse eine VHS der „The Kids are Alright“-Doku gekauft und jeden einzelnen Frame davon auswendig gelernt. Townshends Idee, sein unvorteilhaftes Aussehen zu seinem Kapital zu machen, schien wie geschaffen für einen nicht gerade konventionell aussehenden, pickeligen Teenager wie mich. Dann kamen als ganz, ganz wesentlicher, Augen öffnender Einfluss die alten Truffaut-Filme mit dem unfassbar stylischen Jean-Pierre Léaud als Antoine Doinel, Sixties-Serien und B-Movies, die damals als billige Sendezeit-Fresser im Kabelfernsehen rauf und runter liefen. Die französischen Kids in den alten „Gendarme von St. Tropez“-Filmen, aber auch die Jazzer der frühen bis mittleren Sechziger. Ich studierte nicht nur die Kleidung, sondern auch die Art, wie die Leute dastanden und wie sie gingen. Wie David Hemmings in „Blow Up“ herrlich unathletisch über den Zaun springt. Die ganze furchtlose, arrogante Lebensart, die daraus spricht. Ich weiß nicht, ob ich mich von all dem heute noch inspiriert fühle. Alles rundum ist retro und vintage geworden, das hat der ganzen Sache ihren Spaß genommen. Irgendwann vor drei oder vier Jahren bin ich mit vier Londoner Freunden zusammen in einem Pub gesessen. Keiner von denen war je ein Mod, aber wir sahen auf unsere Schuhe runter und merkten, dass wir alle praktisch dieselben Brogues anhatten. Ich bin zwar froh, dass die Leute nicht mehr elende Turnschuhe anhaben wie damals in den Neunzigern, aber Retro-Konformität ist auch langweilig.

Was ist für dich die „Essenz“ des Mod-Daseins? Ist es bloß das Gewand, oder ist es ein kompletter Lebensstil für dich? Was gehört alles dazu?

Das schließt jetzt an die vorige Antwort an. Zunächst einmal muss ich aus Prinzip kurz festhalten, was man eh weiß: Ohne Zweifel ist Mod die spannendste aller klassischen jugendlichen Subkulturen, allein schon wegen des damit verbundenen grenzenlosen musikalischen Universums: Soul, R&B, Jazz, Psychedelia, Sixties-Pop, Blue Beat bzw. originalen Ska, Rocksteady und Reggae bis hin zum punkigen Power Pop der späten Siebziger, aber für mich gehörten immer auch französische Chansons, amerikanischer Folk und früher Prog dazu. Wenig deprimiert mich mehr, als wenn Leute Mod mit besonders spießiger Rockmusik assoziieren. Davon abgesehen war die Vorbedingung von Mod in den Sixties aber, dass Working Class-Jugendliche damals so gut verdienten wie noch nie. Die Realität der jungen Leute von heute könnte nicht konträrer sein. Für die Mod-Kultur bedeutet das, dass ihre Ideale für die heutige Generation völlig unerreichbar geworden sind, und das birgt die Gefahr einer Verspießerung von Mod durch meine Revival-Generation: Die schöne Lambretta als Midlife-Crisis-Äquivalent zur Harley Davidson des Rocker-Zahnarzts. Ergo habe ich für mich selbst begonnen, einige der unumstößlichen Mod-Weisheiten in Frage zu stellen. Den Fetisch Maßanzug zum Beispiel: Ich bin Enkel eines Schneiders. Als ich Teenager war, war der leider schon in Pension, aber ich ging schon mit 17 zur Schneiderin, um mir Hipster-Hosen, Vierknopf-Sakkos mit Cord-Kragen oder Rüschenhemden machen zu lassen. Eine Hemdenmacherin in Wien Favoriten schneiderte meine taillierten Hemden mit French Cuffs UND Three-Button-Down, was jetzt als Kombination gerade zu als Stilbruch erscheint, aber in den Achtzigern war Button-Down absolute Mod-Vorschrift. Davon abgesehen hatte ich natürlich auch immer Second Hand-Zeug, und im Nachhinein hänge ich an diesen Stücken oft am meisten. Ich will also diesen Fragebogen nützen, um eine Lanze für den „off the peg“-Look der mittleren bis späten Sixties zu brechen. Der Konsens ist ja, dass Mod 1964 gelaufen war. Das ist entweder Nonsense, oder ich bin eben kein Mod. Oder beides. Ich liebe nämlich den Pop Art-Look bzw. den teils bereits semi-psychedelischen, plakativ farbenfrohen Modernismus, den die Londoner Boutiquen von 65 bis 66 unters Volk brachten. Sakkos und Hosen, die nicht wirklich zusammengehören, über Hemden getragene, enge T-Shirts, bis oben zugeknöpfte Button Down-Hemden mit Candy Stripes, weiße Jeans mit Chelsea Boots... Die Sachen, die die Small Faces damals anhatten, haben sicher nicht länger als ein paar Wochen gehalten. Wie in Ian McLagans Autobiographie nachzulesen, kam es auch nie so weit, weil sie sich mit den glühenden Dope-Stückchen, die aus ihren Joints herabfielen, immer Löcher in die Hosen brannten. Ich habe deshalb für dieses Feature hier auch ein paar meiner billigsten, aber unersetzbaren alten Hemden gemeinsam mit ein paar maßgemachten Exemplaren abfotografiert.


Shirts à la 65/66, manche davon tatsächlich so alt,
andere solche, die Robert sich hat machen lassen.


Vor ungefähr einem Jahr hab ich gemeinsam mit meinem Freund Andy Lewis, dem Bassisten in Paul Wellers Band, in seinem liebsten Londoner Second Hand Shop herumgestöbert. Andy hat ein großes Faible für Spätsechziger- bis Frühsiebziger-Style. Er hat mir dementsprechend Mut zugesprochen, als ich einen Konfektionsanzug vom Carnaby Street-Kaiser John Stephen aus dem Jahr 1968 fand, den damals wohl nur Rockstars, fischige Filmproduzenten oder Zuhälter getragen hätten: Graublaue, Schurwolle mit buntem Nadelstreif, samt Weste und Zweiknopf-Sakko, letzteres Detail ein großer Tabu-Bruch für mich, aber das ist derzeit mein liebster Anzug. Natürlich finde ich einen perfekten Mohair-Dreiknopf-Anzug immer noch attraktiv, aber im Großbritannien des Vintage-Zeitalters leistet sich den schon ein jeder zu Geld gekommener Stand-Up-Komiker, das ist das Problem.



Hier ist der erwähnte Anzug von John Stephen
im Einsatz in Ramsgate.
Die klassischen Mods auf diesem Foto sind
aber wohl Roberts Sohn und seine Frau ;)


Psychedelisches Sakko mit Nehru-Kragen,
das die Modedesignerin Zutty Flamm
Ende der Achtziger schneiderte.
Dazu gehörte eine türkise Gabardine-Hose
mit dezenten Flares...

 
...und dieses Rüschenhemd, Lord Byron style.


Sixties-Flaggensignal-Ledergürtel.
Es gab Zeiten, da Robert den tatsächlich trug.


Ist es etwas anderes, als Mod in England zu leben als zum Beispiel in Österreich? Ist es von Bedeutung, dass du ursprünglich aus Wien bist?

Siehe oben, es ist zu einem gewissen Grad Teil der Folklore hier. Wenn zum Beispiel ein Politiker wie Alan Johnson sich als alter Mod outet und im Perry-Strickhemd bei der Fernsehdiskussion sitzt; sowas käme in meiner Geburtsheimat nicht vor. Die männliche Bevölkerung von Österreich ist dagegen so unentschuldbar mies gekleidet, dass ich dort aus Protest vermutlich auch auf puristisch schalten würde. Dass ich ursprünglich aus Wien bin, finden die Leute wenn überhaupt höchstens ein bisschen glamourös. Nicht unverständlicherweise übrigens. Was für ein beeindruckender Ort Wien eigentlich ist, versteht man erst, wenn man lange nicht dort war.

Du bist ja in erster Linie Musiker – wer hat dich denn am meisten beeinflusst? Gibt es auch Musiker, die dich von Ihrem Kleidungsstil her beeinflusst haben? Und dann noch du als Gitarrist: Fender oder Gibson?

Das hab ich eigentlich schon in einer meiner vorherigen Antworten vorweggenommen. Ganz ohne Scham muss man aber auch zugeben, dass die Beatles ab 1965 unglaublich gut gekleidet waren. Die orange-rosa gestreiften Outfits samt passenden Schuhen in „Magical Mystery Tour“. John Lennons moosgrüner Chord-Anzug. Paul McCartneys schlampiger Endsechziger-Look, Anzug und T-Shirt und barfuß, das kriegt so auch nicht bald einer hin. Und George Harrisons Haar bis ca. 1967? I rest my case. Fabelhaft finde ich auch den Look der Impressions im Wandel der Sechziger, ganz zu schweigen von den Anzügen der golden Stax-Ära: Otis Redding, Sam & Dave, diese Bumfreezer-Sakkos mit radikalen Hochwasserhosen. Vor zwei Jahren wollt ich mir das von einem Londoner Schneider genau so machen lassen, dann hat er mich beim Termin fürs Maßnehmen versetzt. Das habe ich als Zeichen gewertet und es besser bleiben lassen. Vielleicht bin ich eh zu alt für diesen körpernahen Look. Georgie Fame sah auch eine zeitlang unglaublich cool aus, dieser lässige, hemdsärmelige Tastenzauberer-Chic konnte was. Stevie Winwood detto, mit den geschlitzten Hosen auf dem Cover der „Paper Sun“-Single zum Beispiel. Die objektiv wohl ewig beste aller Mod-Bands The Action wäre ebendies auch gewesen, wenn sie nie einen Ton gespielt hätten, so gut sahen die aus. Und natürlich Chris Dreja, der bestgekleidete Yardbird.

Zur Fender oder Gibson-Frage: Gretsch und Rickenbacker! Im Ernst: Alles hat seinen Platz. Eine Gibson vor allem im Studio, weil insbesondere die Les Paul auf der Bühne einfach so saurockmäßig aussieht. Eine Telecaster dagegen ist nie falsch. Style-mäßig am wichtigsten ist die Gurtlänge: Nicht zu kurz aber vor allem um Himmels Willen nicht zu lang.



Auf der Bühne, mit nicht zu langem und nicht zu kurzem Gitarrengurt.
©Mark Sewell


Gibt es irgendwelche „Mod“-Berühmtheiten, die du gut findest?

Siehe oben. Sowie Terence und Chris Stamp. Und Jacques Dutronc!

 Und nun, zum Abschluss: Paul Weller oder Steve Marriott?

Steve Marriott hatte weniger Gelegenheit, was falsch zu machen. Bei dem mochte ich sogar die Latzhosen, obwohl bei Humble Pie schon einiges schief gelaufen ist. Paul Weller hat ein paar großartige Looks geprägt: Die „Café Bleu“-Phase, die Phase '80 bis '82 mit Sta-Prests, Polka-Dot-Hemden und perfektem French Cut das ist schwer zu übertreffen. Seine in den Zweitausendern eingeschlagene Neo-Twenties-Richtung – Doppelreiher, Riesenstecktuch, Two-tone-Brogues – muss man aber nicht unbedingt verstehen. Und die Nackenmähne muss weg! Obwohl mich schon auch die Konsequenz beeindruckt, mit der er das durchzieht. Als Sänger, Gitarrist und Songwriter find ich jedenfalls Weller besser. Die besten Small Faces-Songs schrieb sowieso Ronnie Lane.





Ich bin der Überzeugung, dass Robert Rotifer eines der wenigen "Gesamtkunstwerke" der Wiener Musikszene darstellt - alles, von seinen Kolumnen bis hin zu seiner Musik aber auch seiner Kleidung ist in sich stimmig und von einem Enthusiasmus geprägt, den ich in der heutigen Zeit oft vermisse... Ich möchte mich hiermit noch einmal bei ihm für das unglaublich ausführliche Interview und die Hilfsbereitschaft bezüglich der passenden Bilder bedanken - it's been a pleasure for me, Robert!


NACHTRAG:


 

Am 15. Mai war Robert Rotifer im Wiener Augarten in der "Bunkerei" zu Gast, um ein kleines, aber feines Konzert zu geben...

Nach dem Auftritt hatte ich die Gelegenheit, ein bisschen mit ihm zu plaudern - unter anderem über unsere Kleidung, Mods und Original Skinheads, den Männergarderobe-Blog, das Gitarrespielen...

hier der "Fotobeweis":



Roberts Hemd ist eines seiner alten Maßhemden
mit Button-Down-Kragen und
Doppelmanschetten ("French Cuffs");
seine Jacke ist vintage (späte 1960er)
und stammt von Levi's...